SPOX: Herr Langer, Sie sind in diesem Jahr
zum 28. Mal beim Masters in Augusta dabei. Im Rückblick:
Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre beiden Triumphe?
Bernhard Langer: Die beiden Siege waren total
unterschiedlich. 1985 lag ich nach drei Runden zwei Schläge
zurück, 1993 lag ich nach drei Runden mit vier Schlägen in
Führung. Der Sieg am Ostersonntag 1993 bedeutete mir als
gläubigem Christ sehr viel.
SPOX: Welche entscheidenden Momente haben Sie aus
den Siegjahren noch im Kopf?
Langer: 1985 kann ich mich gut an einen Schlag vom
Fairway an der 13 erinnern, einem Par 5, dogleg links. Ich
habe für den zweiten Schlag das Holz 3 genommen - eigentlich
war der Schlag nicht perfekt und zu flach, aber der Ball ist
vor dem Wassergraben aufgekommen und über das Wasser aufs
Grün gesprungen. Daraufhin habe ich den langen Eagle-Putt
eingelocht und bin näher an die Führenden herangekommen. Mit
Birdies an der 15 und 17 bin ich in Führung gegangen, aber
ich musste die 18. Bahn noch unter hoher Anspannung spielen,
weil weitere Flights hinter mir waren und ich nicht wusste,
ob ich gewinnen würde oder nicht.
SPOX: Das war ja dann 1993 ganz anders.
Langer: Richtig. Damals bin ich mit vier Schlägen
Vorsprung zum letzten Abschlag gekommen und konnte die
Standing Ovations die 18. Spielbahn entlang und auf dem Grün
richtig genießen.
SPOX: Abgesehen von den Jahren, in denen Sie
gewonnen haben: Was sind die schönsten Erlebnisse, an die
Sie immer gerne zurückdenken?
Langer: Das Past Champions Dinner am Dienstagabend
ist immer ein Highlight. Wenn sich so viele Legenden unseres
Sports wie Sam Snead, Jack Nicklaus, Byron Nelson, Raymond
Floyd, Tom Watson, Gary Player, Gene Sarazan, Tiger Woods,
Severiano Ballesteros, Nick Faldo und viele andere treffen,
ist das etwas ganz Besonderes. Oder auch die Übungsrunden
mit Jack Nicklaus, Gary Player und Seve, als wir über
gewisse Strategien diskutierten, wie man gewisse Löcher
spielen sollte, das vergisst man nicht.
SPOX: Gary Player hat einmal gesagt: "Sollte es
jemals im Himmel einen Golfplatz geben, sollte es der von
Augusta sein." Was macht den Platz aus?
Langer: Charakteristisch sind die extremen und
sehr schnellen Grüns mit den starken Hanglagen. Dazu kommen
die vielen Schräglagen auf den Fairways, es geht dauernd
bergauf und bergab, und natürlich der tolle Zustand des
Golfplatzes - jedes Gras ist perfekt, die Grüns sind
fantastisch, die Fairways sind phänomenal. Und daneben
stehen die großen, alten Bäume und Büsche, die Azaleen -
alles blüht und ist einfach wunderschön.
SPOX: Wenn Sie den Platz von früher, als Sie
gewonnen haben, mit dem von heute vergleichen: Was fällt
Ihnen als erstes ein?
Langer: Der Platz ist inzwischen ganz anders als
früher. Er wurde wesentlich verlängert, an die 300 Meter,
glaube ich. Außerdem wurden mehrere Tausend neue Bäume
gepflanzt, gewisse Abschläge sind dadurch sehr viel enger
geworden. Inzwischen gibt es auch Rough links und rechts von
den Fairways, was früher nicht der Fall war. Somit spielt
sich der Platz viel enger vom Abschlag und natürlich
wesentlich länger.
SPOX: Die Länge ist ein sehr entscheidender
Faktor. Seit wann haben Sie sich gedanklich damit
abgefunden, dass Sie auf diesem Platz einfach keine Chance
mehr auf den Sieg haben?
Langer: Die letzten beiden Jahre, denke ich, habe
ich mich wohl mehr und mehr damit abgefunden, dass es
unheimlich schwer sein wird, dort zu gewinnen. Da müsste ich
nicht nur sehr, sehr gut Putten, sondern auch vier Runden
ohne irgendwelche Fehler spielen. Denn bei Nässe spielt sich
der Platz extrem lang. Bei trockenem Wetter spielt er sich
zwar etwas kürzer, jedoch sind dann die Grüns unglaublich
hart.
SPOX: Wie groß würden Sie in Prozent Ihre
Siegchance beziffern?
Langer: Das ist schwer, meine Siegchance in
Prozent umzusetzen. Es sind rund hundert Spieler am Start,
die Prozentchance ist immer gering, selbst wenn man einer
der Besten ist und auf den Sieg hofft. Inzwischen gehöre ich
nicht mehr zum engen Favoritenkreis, somit sehe ich die
prozentuale Chance relativ gering.
SPOX: Wie schwer ist es, für so einen
erfolgreichen Sportler wie Sie es sind, damit umzugehen,
dass es für ganz vorne wohl nicht reichen wird? Sie scheinen
ja noch den gleichen Ehrgeiz zu haben wie mit 25, wie schwer
macht das die Motivation?
Langer: Motiviert bin ich trotzdem, denn ich will
so gut wie möglich spielen und das beste Ergebnis erreichen,
selbst wenn die Siegchancen sehr gering sind. Wenn alles
relativ gut läuft, kann ich vielleicht doch vorne dabei
sein. Es ist immer noch ein tolles Erlebnis, dort überhaupt
mitspielen zu dürfen und wenn man vielleicht noch unter die
ersten Zehn oder 20 kommt, dann wäre das schon noch
etwas Besonderes.
SPOX: Greg Norman oder Tom Watson haben gezeigt,
dass man auch im hohen Alter noch um Major-Siege kämpfen
kann. Vielleicht nicht in Augusta, aber auf jeden Fall bei
einer British Open.
Langer: Ja, das ist richtig. Auf gewissen
Golfplätzen können wir über 50-Jährigen sicherlich
mithalten, so wie das Tom Watson und Greg Norman ja in den
letzten beiden Jahren bewiesen haben. Wenn es nicht nur um
Länge geht, sondern eben auch um Präzision, um Strategie
oder wie gut man eben den Ball trifft. Beim Masters ist das
noch etwas schwieriger. Der Platz ist einer der längsten,
die wir spielen, und die Grüns sind so extrem, dass man
einfach leichter mit einem kürzeren Eisen aufs Grün schlägt
als mit einem längeren Eisen. Das andere Problem ist
natürlich, dass einige von uns nicht mehr qualifiziert sind,
um bei den British Open oder dem einen oder anderen Major
mitzuspielen, das auf einem Golfplatz stattfindet, wo wir
eventuell noch Chancen hätten. Das ist schade.
SPOX: Wie lange planen Sie, noch beim Masters
aufzuteen?
Langer: Das weiß ich noch nicht genau, mit Sicherheit
noch einige Jahre. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich nicht mehr
mithalten kann, dann ist es an der Zeit, nicht mehr aktiv dabei
zu sein und nur für einige Tage anzureisen.
SPOX: Sie haben in diesem Jahr schon wieder auf der
Champions Tour gewonnen, sogar einen unglaublichen Bunkerschlag
zum Sieg gelocht, weitere Top-10-Resultate kamen hinzu. Die Form
scheint zu stimmen?
Langer: Ja, meine Form ist sehr gut. Ich habe die
letzten vier Jahre hervorragendes Golf gespielt. Diese Saison
ging auch recht gut los mit vier Top-10-Platzierungen, einem
Sieg und einem 4. Platz beim letzten Turnier. Ich bin recht
zufrieden und hoffe, dass es so weitergeht.
SPOX: Wer sind denn für Sie die Topfavoriten in
Augusta?
Langer: Zu den Topfavoriten gehört natürlich in erster
Linie immer Tiger Woods.
SPOX: Glauben Sie wirklich, dass er es nach all dem,
was passiert ist, packen kann? Wie haben Sie seine Entwicklung
zum Superstar eigentlich verfolgt?
Langer: Ja, ich glaube schon, dass er sofort wieder
das Masters gewinnen kann. Wenn es einer kann, dann Tiger Woods.
Was seine Entwicklung angeht: Ich habe gesehen, wie er vom
Amateur, vom kleinen Jungen mit zehn Jahren bis heute seine
Karriere gemacht hat. Er hat sich golferisch sehr gut
entwickelt. Vor allem auch physisch, er hat sich muskulär stark
weiterentwickelt. Was menschlich mit ihm passiert ist, kann ich
nicht sagen, weil ich nicht nahe genug an der Sache dran bin. Er
hat dem Golfsport gefehlt, deshalb ist es gut, dass er beim
Masters wieder dabei ist. Wir werden sehen, was die Zukunft
sportlich für ihn bietet und ob er seine Familie zusammenhalten
kann.
SPOX: Es wird interessant zu beobachten sein, wie die
Fans auf ihn reagieren. Wird er wie früher bejubelt werden?
Langer: Ich kann mir vorstellen, dass die Golf-Fans
ihn weiterhin bejubeln werden, weil es ihnen hauptsächlich um
Golf geht. Es gibt sicherlich auch einige hunderte oder tausende
von Fans, die ihn als Mensch anders betrachten als früher, aber
sein Golfspiel werden sie sicherlich weiter bejubeln.
SPOX: Wir waren bei den Favoriten stehen geblieben.
Wen haben Sie neben Tiger noch auf der Rechnung?
Langer: Ernie Els muss man auf jeden Fall beachten. Er
kommt nach seinen beiden Siegen zuletzt auf der US PGA Tour mit
großem Selbstbewusstsein nach Augusta, eventuell Phil Mickelson.
Aber es können auch viele der jungen Spieler sein, die
heutzutage nachrutschen und vorne mit dabei sind. Wir können
auch hoffen, dass Martin Kaymer vorne mitmischt.
SPOX: Sie sprechen Martin Kaymer an. Warum könnte ihm
Augusta Ihrer Meinung nach liegen?
Langer: Ich denke, Martin kann auf dem Platz recht gut
abschneiden, denn er ist relativ präzise vom Abschlag und hat
ein gutes, kurzes Spiel. Er ist lang genug, schlägt den Ball
hoch genug und mit genügend Spin. Er hat einen guten Kopf auf
seinen Schultern, er trifft gute Entscheidungen auf dem Platz.
Ich glaube schon, dass Martin hier die nächsten Jahre mitmischen
wird, denn er wird den Golfplatz über die Jahre immer besser
kennenlernen und sein Spiel wird weiter reifen. Somit gehe ich
davon aus, dass er schon zum Favoritenkreis gehören sollte.
SPOX: Martins großes Ziel ist der Ryder Cup in diesem
Jahr. Colin Montgomerie hat nicht ausgeschlossen, auch Sie als
Wildcard in Erwägung zu ziehen. Für wie realistisch halten Sie
eine Teilnahme?
Langer: Das ist nicht realistisch. Es gibt inzwischen
so viele gute junge Spieler in Europa, die den Ball weit
schlagen und sehr gut sind. Natürlich habe ich viel Erfahrung
und wenn ich gut spiele, kann ich auch mit der jungen Garde
mithalten. Colin wird sich schwer genug tun, aus den acht bis
zehn talentierten, jungen Spielern, die er gerne dabei hätte,
die richtigen zwei oder drei auszuwählen.
SPOX:
Wenn wir schon beim Ryder Cup sind. 2018 hoffen wir alle, dass
der Ryder Cup in Deutschland stattfinden wird. Der
Austragungsort, falls Deutschland den Zuschlag bekommt, steht
fest, Schweden hat außerdem seine Bewerbung zurückgezogen. Wie
gut stehen unsere Chancen?Langer: Die
Platzentscheidung für Neuburg/Donau war eine wichtige nationale
Entscheidung, aber mehr nicht! Es gehören viele Eckpfeiler dazu,
um den Zuschlag für den Ryder Cup zu bekommen. Ich bin
optimistisch, dass unser Team eine gute Präsentation abgeben
wird und hoffe, dass das zuständige Gremium dies genauso sieht.
Unsere Chancen sind sehr gut, sofern wir die geforderten
Bedingungen erfüllen können. Das allein und nichts anderes wird
die Entscheidung pro oder contra Ryder Cup 2018 in Deutschland
beeinflussen. Unsere Mitbewerber zu unterschätzen wäre jedoch
fatal.
SPOX: Wie negativ ist es, dass es nur noch ein
deutsches Turnier auf der European Tour gibt? Auch im Hinblick
auf die Bewerbung?
Langer: Es ist schade, dass wir dieses Jahr in
Deutschland nur ein Turnier, die BMW International Open in
München, auf der European Tour haben werden. Das kann sich aber
in der Zukunft sehr schnell wieder ändern. Wir werden weiter
versuchen, ein oder zwei neue Turniere zu installieren, was der
deutschen Ryder-Cup-Bewerbung nicht schaden würde.
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