Wir betreten Neuland

Bernhard und Erwin Langer zur deutschen Ryder Cup Bewerbung 2018 in der SZ Golfbeilage "Golf spielen" 1.2009  -  Von Petra Himmel

Die deutsche Ryder-Cup-Bewerbung ist in vollem Gange. Während als offizieller Bewerber die Ryder Cup GmbH auftritt, eine 100-prozentige Tochter des Deutschen Golf Verbandes, gilt der internationale Einfluss der Brüder Bernhard und Erwin Langer in der Golfszene als mitentscheidend. Beide gehören dem Beirat der Ryder Cup GmbH an. Zum Stand der deutschen Bewerbung äußerten sich beide gegenüber Petra Himmel.

Die Gründung der Deutschen Ryder Cup GmbH ist einige Monate her, was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Punkte, die inzwischen erledigt worden sind?
EL: Die RC Deutschland GmbH ist derzeit bemüht, die Finanzierung der Bewerbung und deren Personalausstattung zu organisieren. Alle deutschen Golfclubs und die Betreiber von Golfanlagen hatten bis Ende Februar Gelegenheit, ihre Bewerbung abzugeben. Daneben wurden Spezialisten beauftragt, die für die Darstellung der deutschen Ryder-Cup-Bewerbung und die Bewerbungsanlagen zuständig sind. Im Moment sind die Golfanlagen in intensivem Kontakt mit den Partnern, um Klarheit über ihr weiteres Vorgehen zu erhalten.
BL:
RC Deutschland hat sich offiziell und fristgerecht (28.2.2009) bei Ryder Cup Limited in London beworben, die Bestätigung von dort ist auch schon eingegangen. Ich selbst habe außerdem länger mit dem Team von Ryder Cup Limited in London telefoniert und unsere deutsche Position deutlich gemacht.

Inwieweit sind Aufsichtsrat/Beirat tatschlich in die Arbeit der Ryder Cup GmbH eingebunden?
EL: Aufsichtsrat und Beirat haben ihre Aufgaben in den Bereichen, die der Name des Organs schon deutlich macht. Natürlich gibt es auch Aufgaben seitens der Geschäftsführung, die einzelne Aufsichts- oder Beiräte stärker in die Plicht nehmen. Bernhards wichtigste Rolle besteht darin, seine langjährigen Erfahrungen und Mitarbeit im Vorstand der Tour und von Ryder Cup Ltd. sowie der persönlichen Teilnahme an elf Ryder Cups in die Waagschale zu werfen. Sein persönlicher Einsatz dokumentiert die Ernsthaftigkeit unserer Bewerbung. Er führt keine Scheinbewerbung oder PR-Aktion des deutschen Golfverbandes an.

Wie wichtig ist diese Bewerbung für Sie, Bernhard Langer, persönlich? Sind Sie emotional stark mit diesem Thema verbunden, obwohl Sie inzwischen die meiste Zeit in den USA verbringen?
BL: Ich nehme diese Bewerbung sehr ernst und bemühe mich mit dem gesamten Team den Ryder Cup 2018 nach Deutschland zu holen. Dass ich zurzeit in den USA lebe, ändert daran gar nichts. Ich war mein bisheriges Leben, abgesehen von einigen wenigen Wochen im Jahr, immer im Ausland unterwegs, trotzdem bin und bleibe ich Deutscher beziehungsweise Europäer und meine Heimat wird immer Anhausen in Bayern bleiben. Gerade wenn es um den Ryder Cup geht, konnte ich schon so oft erleben, Europäer zu sein und das war ein sehr gutes Gefühl.

Der Ryder Cup wäre also das Tüpfelchen auf dem i in Ihrer Karriere?
BL: In meiner Karriere hatte ich nun doch schon viele große Erlebnisse und den Ryder Cup, das emotionalste Golfturnier der Welt nach Deutschland zu bringen, ja, das reizt mich doch sehr und ich sehe unsere Möglichkeiten positiv.

Sie selbst bringen als Ryder-Cup-Spieler und Ex-Kapitän viel Erfahrung mit in den Beirat ein. Ansonsten vermisst man als Außenstehender Experten aus dem Finanz-, Marketing- oder Golfveranstaltungsbereich. Wäre hier mehr Expertise von außen nicht sinnvoll gewesen?
BL: Ryder Cup Ltd. führt zum ersten Mal in der Geschichte ein Bewerbungsverfahren durch, also betreten nicht nur die Herren in London, sondern auch alle sich bewerbenden Nationen Neuland. Meine Erfahrung begründet sich als Spieler und Kapitän über einen Zeitraum von weit über 20 Jahre, das ist schon mal ein großer Vorteil für unser Team. Bei den Finanzexperten möchten wir es gern so halten, dass wir nicht mehr Geld ausgeben, als wir zur Verfügung haben. Das ist eventuell nicht besonders modern, aber langfristig sehr gut und verhindert, dass wir mit der Ryder-Cup-Bewerbung finanziellen Schaden für das deutsche Golf anrichten. Was die Experten aus Marketing und Golfveranstaltungen betrifft, haben wir die DGS (HVB Ladies German Open) und mit Langer Sport Marketing einen Partner, der seit 30 Jahren in Deutschland und Europa Profi-Events durchführt.
EL: Angesichts der Tatsache der Erstmaligkeit dieser Prozedur müssen die beteiligten Partner aus meiner Sicht auch neue Erfahrungen machen und daraus lernen dürfen. Außerdem hat RC Deutschland wie vorher schon erwähnt mehrere externe, qualifizierte Experten für verschiedene Aufgaben ins Team geholt.

Auch in Deutschland sind die Auswirkungen der Finanzkrise zu spüren. Inwieweit beeinflusst dies den Fortgang der Bewerbung?
BL: Die derzeitige weltwirtschaftliche Situation ist für viele noch nicht in allen Ausmaßen erkennbar, auch nicht für uns. Wir haben die Bewerbung Deutschlands zu finanzieren und brauchen dazu die Unterstützung der Bundes- und Landespolitik und natürlich der deutschen Unternehmen, vor allem der Unternehmen, die das Ausland mit Deutschland assoziiert.
EL: Nachdem uns die Wirtschaftskrise sicherlich noch zu schaffen machen wird, gehe ich davon aus, dass der Vergabetermin von 2010, den die Ryder Cup Ltd. genannt hat, nicht machbar ist. Und dies nicht nur wegen den genannten Problemen, sondern auch wegen des extrem engen Zeitrahmens, der den Bewerbern gesteckt wurde. Solch große Räder können nicht in diesem kurzen Zeitraum gedreht werden, zumal die Vorgaben der Tour noch nicht im Detail konkretisiert sind und die Bewerber in ihrer Kreativität sehr gefordert sind. Die derzeitige Krise ist ein Fakt, doch werden die Unternehmen weiterhin in den Kunden, in PR und Kommunikation investieren. Der Ryder Cup ist hierbei eine großartige Möglichkeit sich als Europäer zu zeigen.

Wenn Sie, Bernhard Langer, rückblickend auf die Schauplätze sehen, an denen Sie an einem Ryder Cup teilgenommen haben welcher war der beste und warum?
BL: Bei meinem ersten Ryder Cup in Walton Heath 1981 war der Ryder Cup zwar ein Großereignis für Grobritannien, international interessierte sich aber niemand dafür. Das hat sich über die Jahre erheblich geändert. Grundsätzlich hat jeder Veranstaltungsort seine positiven Seiten gehabt. Mal war der Golfplatz besser, mal waren die Zuschauerbereiche idealer. Manchmal waren die Übungsmöglichkeiten und Hotels sehr gut, was die Spieler natürlich mögen, dann haben andere Aspekte wie zum Beispiel die Flächen für die TV-Übertragungswagen besser gepasst. Das alles ist ein Teil eines großen Paketes. Wir müssen in Deutschland einen Standort finden, wo man möglichst alles kombinieren kann. Die Tour wird sich das ohnehin genau ansehen. In der Vergangenheit gab es noch keinen Standort, an dem alles perfekt war. Das sollten wir ändern können, zumindest werden wir uns bemühen.

Wenn Sie den Vergleich zwischen amerikanischen und europäischen Austragungsorten ziehen wo liegt der Hauptunterschied?
BL: Die Amerikaner haben größere Clubhäuser. Das ist nicht unwichtig! Denn je mehr die Teams direkt vor Ort abwickeln können, desto weniger Probleme gibt es in Sachen Sicherheit und Transport der Teams. Also ein, für deutsche Verhältnisse, riesiges Clubhaus oder ein vor Ort liegendes Hotel, das entsprechende Räume zur Verfügung hat, wäre optimal.

Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von deutschen Projekten kennen Sie die Anlagen schon und nach welchem Zeitplan werden diese gesichtet?
BL: Das gehört zurzeit nicht zu meinem Aufgabenbereich.
EL: Die deutschen Anlagen sind uns mittlerweile bekannt. Das weitere Vorgehen wird von RC Deutschland koordiniert. Es sind sehr gute Bewerbungen und wir sind gespannt, wie sich die Arbeit der Anlagen mit unseren beauftragten Experten entwickelt.

Wer ist für Sie der härteste Gegner Deutschlands und warum?
BL: Das lässt sich schwer sagen. Ich denke, dass Schweden ernst zu nehmen ist.
EL: Frankreich könnte ein starker Wettbewerber sein, weil dort die Unterstützung des Golfsports durch die Politik immer sehr gut war. Portugal und Spanien bewerben sich gemeinsam für die Fuball WM 2018. Falls sie den Zuschlag bekommen, sind sie für den Ryder Cup nicht mehr relevant, weil die Vorgaben der Ryder Cup Ltd. besagen, dass kein Großereignis in einer Zeitspanne von sechs Monaten möglich ist.

Trifft dies auch auf die Olympischen Winterspiele 2018 zu, für die sich München bewirbt?
EL:
Nein, die RC Deutschland GmbH hat eine schriftliche Bestätigung von Richard Hills, dem Direktor der RC Ltd., dass der Zuschlag der Winterspiele 2018 für München kein Hindernis für den Ryder Cup im September wäre. Unabhängig von objektiven Kriterien tun sich Briten häufig sehr schwer damit, Deutschen Kompetenz im Bereich des Golfsports zuzuerkennen.

Inwieweit spüren Sie diese Art von Bedenken, wenn Sie mit Entscheidungsträgern in England zu tun haben?
BL:
Das hat sich schon seit langer Zeit geändert, zumindest bei den Spielern. Sie erleben ja seit Jahren, wie gut die deutschen Turniere auf der European Tour organisiert sind.

Welche Bedeutung fär die Vergabe spielt die Tatsache, dass sich Martin Kaymer in der Weltspitze zu etablieren scheint.
BL: Ausschlaggebend wird es nicht sein. Hätten wir aktuell fünf, sechs aussichtsreiche deutsche Ryder-Cup-Spieler, wäre das anders zu sehen. Ich erwarte, dass meine eigenen Ryder-Cup-Verdienste und vor allem die Qualität unserer Bewerbung den Ausschlag zu unseren Gunsten bewirken.

Der Zeitrahmen für eine fertige Bewerbung bis September ist sehr eng gesteckt, wo liegen die größten Herausforderungen der nächsten Monate?
EL: Vorrangig geht es dem Team im Moment um die Auswahl der deutschen Golfanlage und der Finanzierung der Bewerbungskampagne. Wichtig ist, dass die Verantwortlichen sorgsam mit dem vorgegebenen Zeitrahmen umgehen.

Könnte es sein, dass wir im Falle einer erfolgreichen Bewerbung Bernhard Langer noch einmal als Kapitän erleben?
BL: Der Gedanke hat schon seinen Reiz. Meine aktive Zeit auf der Champions Tour wäre am Ausklingen, die Kinder sind aus dem Haus. Die Entscheidung über den Ryder-Cup-Kapitän wird jedoch vom Ryder-Cup-Komitee getroffen und das hat wahrscheinlich andere Vorstellungen.

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Name: Bernhard Langer Geburtsdatum: 27.08.1957
Geburtsort: Anhausen, Deutschland
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Bernhard Langer wirbt für
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