Golf-Kolumne von Wolfgang Scheffler: "Siege sind keine Frage des Alters"  FAZ.NET vom 09. Juni 2009:

"Der Golfball weiß nicht, wie alt man ist" lautet eines der geflügelten Worte von Bernhard Langer. Soll heißen: Auch im Alter kann man noch vorzüglich Golf spielen. Der zweimalige Masters-Sieger wird am 27. August 52 Jahre alt - und in diesem fortgeschrittenen Sportleralter kann er nur noch gelegentlich mit den jungen Burschen auf den großen Profiturnieren mithalten. Aber dafür ist der Meisterschwinger aus Anhausen in seiner Altersklasse eine Klasse für sich.

Am Sonntag feierte er in Austin bereits seinen dritten Saisonerfolg auf der amerikanischen Champions Tour, den siebten seit er im Spätsommer 2007 von der PGA Tour auf die Turnierserie für reife Herren jenseits der Fünfzig wechselte. In Texas war Langer der Konkurrenz bei seinem Start-Ziel-Sieg soweit überlegen, dass er den Amerikaner Mark O'Meara, ebenfalls ein zweimaliger Major-Sieger (Masters und British Open 1998) um sechs Schläge distanzierte, der größte Vorsprung, eines Turniersiegers auf der Altherrenserie in diesem Jahr. Für den Altmeister eine lohnende Angelegenheit: Mit dem Siegespreis von 240.000 Dollar hat Langer sein diesjähriges Preisgeldkonto schon auf 1.232.886 Dollar aufgestockt. Und da er auch noch im Charles-Schwab-Cup führt, dessen Sieger am Ende der Saison mit einer Million Dollar belohnt wird, versteht man, warum Langer sagt: "Siegen fühlt sich niemals alt an."

Stichwort Alter: Manchmal gibt es im Golf auch Spätentwickler. Christoph Günther aus Dornstadt bei Ulm absolvierte wie Bernhard Langer eine Lehre als Golflehrer, aber im Gegensatz zu Langer, der schon mit 17 Jahren in Deutschland Spitze war, hat der Diplom-Golflehrer auch jahrelang auf der Übungswiese unterrichtet, in Höhenpähl am Starnberger See und in Gleidingen bei Hannover. Seit mehr als zehn Jahren versucht er, spielend seinen Lebensunterhalt zu verdienen, hat sich ein paar Jahre in Süd- und Mittelamerika auf der Tour des las Americas und danach der EPD Tour, einer der Satellite Tours in Europa, durchgeschlagen. Im vergangenen Jahr belegte er in der Abschlussrangliste der EPD Tour hinter dem Engländer James Alexander Ruth und dem Frankfurter Max Kramer den dritten Platz und erreichte damit den Aufstieg in die zweiten Liga, die Challenge Tour.

Am Sonntag feierte Günther mit 33 Jahren den größten Erfolg seiner Laufbahn. Er siegte bei der Kärnten Open in Klagenfurt-Seltenheim mit 268 (20 unter Par) nach Runden von 68, 63, 75 und 62 Schlägen mit einem Schlag Vorsprung vor dem Wieslocher Florian Fritsch (269/65+67+70+67) und dem Spanier Carlos Rodiles (269/65+65++71+68). Vierter wurde der Gastgeber des Turniers, der Österreicher Markus Brier, der auf der European Tour immerhin schon zwei Turniersiege gefeiert hatte.

Aber auch ansonsten konnte sich die Konkurrenz in Kärnten sehen lassen: Mit dem Italiener Emanuele Canonica, dem Engländer Phil Golding, den Spaniern Rodiles, Jesus Maria Arruti, Carl Suneson und dem Niederländer Rolf Muntz waren etliche ehemalige European-Tour-Spieler bei diesem mit 140.000 Euro dotierten Turnier mit von der Partie. "Der Erfolg ist eine riesige Genugtuung" sagte Günther, der sich am Sonntag mit der "besten Runde seines Lebens" von 62 Schlägen vom siebten auf den ersten Platz vorarbeitete. Am letzten Loch (Par 4, 359 m) schlug er nach seinem Drive den Ball aus 119 Metern übers Wasser ein Meter ans Loch und vermied mit einem Birdie ein Stechen. Aber fast noch schöner als die 22.400 Euro Siegespreisgeld war eine andere Erkenntnis: "Ich habe bewiesen, dass ich für Spitzenleistungen nicht zu alt bin." Günther formulierte nach dem Erfolg in Österreich gleich ein neues Ziel: die European Tour, die erste Liga, die mittlerweile außer in Europa auch Turniere in Asien, Australien, Afrika und Asien sanktioniert.

Die Top Ten der Abschluss-Geldrangliste der Challenge Tour erhalten im kommenden Jahr die volle Spielberechtigung. Derzeit liegt Günther auf Platz zehn, allerdings sind erst neun von dreißig Turnieren gespielt. Sogar auf Platz fünf dieser Rangliste rangiert Florian Fritsch, der mit 23 Jahren erst ganz am Anfang seiner Profikarriere steht. Der gebürtige Münchner wechselte Anfang des Jahres nach einer überaus erfolgreichen Amateurkarriere ins Profilager, feierte vor ein paar Wochen in Rheine-Mesum seinen ersten Erfolg auf der EPD Tour (im Stechen gegen Max Kramer) und schien in die Fußstapfen von Martin Kaymer zu treten und wie der Mettmanner gleich sein erstes Turnier auf der Challenge Tour zu gewinnen.

Er unterlag dann aber im Stechen der Allianz Open in der Bretagne gegen den Engläner Lee James. Auch in Klagenfurt war der Sieg in Reichweite, aber trotz insgesamt 30 Birdies (sogar vier mehr als der Sieger Günther) fehlte am Ende ein Schlag. Trotzdem war auch der Jungprofi hochzufrieden: "Ich bin überglücklich. Hätte mir jemand vor einem Jahr gesagt, dass ich gegen solch stark Konkurrenz bestehen kann, hätte ich das nicht geglaubt." Ob 23, 33 oder knapp 52 - Golf ist eben ein Sport für jedes Lebensalter - und das gilt nicht nur für Amateure, sondern auch für Profis.


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Name: Bernhard Langer Geburtsdatum: 27.08.1957
Geburtsort: Anhausen, Deutschland
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